man stelle sich den folgenden Arbeitsrhythmus vor: Arbeitsbeginn - 6.00 - 7.00 Uhr - kurze Verschnaufpause am Mittag - kaum Zeit, in Ruhe das Essen einzunehmen - Feierabend gegen 23.00 Uhr - danach einige Stunden unruhiger Schlaf, mit ständigen Unterbrechungen - währenddessen permanent Sorgen und Ängste, die das müde Gehirn martern - 7 Tage die Woche - 365 Tage pro Jahr - keinen Feiertag, keinen Urlaubstag - keine Ruhephasen - KEINEN LOHN.
Nein, wir befinden uns hier nicht im tiefsten Mittelalter, als Sklavenarbeit und Frohndienste an der Tagesordnung waren - der hier beschriebene Tagesablauf diktiert das Leben zahlreicher Menschen der Neuzeit - sie leben HEUTE mitten unter uns und es ist ihr persönlicher PFLEGEALLTAG - dem sie sich täglich von neuem stellen müssen und den sie zumeist auch still hinnehmen, denn sie "arbeiten" aus Liebe , Fürsorge und Verpflichtung - Liebe und Fürsorge die sie für den Partner, das Kind, die Mutter, den Vater oder einen anderen, nahen Angehörigen empfinden - oder Pflichtgefühl ihrem Partner gegenüber, dieses: "Bis das der Tod Euch scheidet" auch bis zur letzten Konsequenz zu beachten -
und bei all dieser Fürsorge, Liebe und Verpflichtung bleiben sie dann selber auf der Strecke.
Dem ABS e.V. stellte sich vor geraumer Zeit bereits die Frage, wie lange wohl ein Mensch diesen Lebensrhythmus aushält, ehe er selbst zum Pflegefall wird - und wir begannen, uns mächtig Sorgen um den Fortbestand unseres Sozialstaatlichen Gesundheitssystems zu machen. Wieviel würde, bei einer derart hohen zu erwartenden Pflegebedürftigkeit unserer "alternden" Bevölkerung der "Soziale Topf" für die nächste - die übernächste Generation übrig lassen ? Es wird sicher nicht mehr für alle reichen; weswegen Lösungen her müssen - und zwar schnell. Wir haben analog dieser Erkenntnisse bereits an verschiedenen Erfolg versprechenden Strategien gebastelt, und die, welche - nach unserem Ermessen - den Ansprüchen, Forderungen, Vorstellungen und Wünschen aller Protagonisten der Pflege-Szene am ehesten entgegen kommen auch bereits erfolgreich in die Tat umgesetzt.
So holen z. B. unsere Betreuer ältere Pflegepersonen, zusammen mit deren pflegebedürftigen und darüberhinaus psycho-sozial betreuungsbedürftigen (dementiell erkrankten) Partnern, Zuhause ab - und begleiten Beide für 2, 3 oder 4 Wochen - je nach Wunsch - an die Nordsee, wo sie, nahe einer Kurklinik oder einem Therapiezentrum in einer rollstuhlgerechten Feriensiedlung untergebracht werden.
Die Nähe zum Therapiezentrum erlaubt den Pflegenden, hier fast täglich ihre - vom Arzt verordneten - Anwendungen zu nehmen, sich zu entspannen und zu erholen - während sich in der Zwischenzeit die kompetenten Betreuer und Pfleger des ABS e.V. um den kranken Partner kümmern - ihm Essen o. Getränke anreichen - Toilettengänge - Spaziergänge - Schiffstouren oder Museumsbesuche unternehmen - oder einfach mal nur zum Eis-schlecken unterwegs sind.
Für Behandlungspflegerische Maßnahmen stehen examinierte Pflegekräfte zur Verfügung, der psychosoziale Betreuungsbereich wird durch Gerontopsychiatrie-Fachkräfte - Pflegehelfer und auch Laien abgedeckt. Gemeinsamen Unternehmungen kann der Pflegende sich selbstverständlich immer anschließen - aber es besteht niemals ein Zwang hierzu.
Die Finanzierung solcher Maßnahmen erfolgt durch a) eine relativ geringe Eigenbeteiligung der Personen - b) Zuschüsse der Krankenkasse (pro Tag 13,- € ) sofern eine ambulante Badekur bewilligt wurde - c) Zuschüsse der Pflegekasse gem § 39, SGB XI - "Verhinderungspflege" - bis 1470,- € je nach Pflegestufe -
d) Zuschüsse der Pflegekasse gem § 45, SGB XI - Betreuungsleistungen gem. dem Pflegeleistungsergänzungsgesetz - je nach Betreuungsumfang zwischen 1200 und 2400 Euro pro Maßnahme e) Zuschüsse der Berufsgenossenschaften - Rentenversicherungsträger - Arbeitsagenturen oder Sozialämter gem. § 17, SGB IX - (selbst zu wählende) Leistungen für Menschen mit Behinderungen - auch "Persönliches Budget" genannt. - der erforderliche Betrag wird jeweils individuell ermittelt.
Mit diesem Modell sind alle Beteiligten bestens bedient:
die Pflegende Person - sie kann sich erholen, tut etwas für ihre Gesundheit - hat kein schlechtes Gewissen, da sie den Partner NICHT in`s Heim einweisen lässt. Kann wieder neue Energien laden um ihre Pflegearbeit noch länger durchzuhalten.
Die Pflegebedürftige Person - hat endlich Tapetenwechsel - ist unter Menschen - wird bestens versorgt (ohne Stopp-Uhr)und sogar etwas therapiert - fühlt sich nicht vom Partner verlassen. kann sich auch erholen.
Die Gesundheitsinstitutionen: vermeiden die Pflegespirale - sparen langfristig enorme Kosten ein - bekommen wieder mehr Zulauf von neuen Mitgliedern (durch Qualitäts + Service Verbesserung)
Die Mediziner und Pfleger - sind froh, sinnvoll handeln zu dürfen - freuen sich über positive Ergebnisse